Soziale Arbeit am Rande der Sinnlosigkeit

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Am Rande der Sinnlosigkeit ...
... kann man sich grundsätzlich von zwei Seiten befinden

Im Laufe des Semesters wird sich nicht klären, auf welcher Seite sich Soziale Arbeit befindet. Vielmehr wird es aus meiner Sicht „nur“ darum gehen, die Sinnhaftigkeit der Frage danach zu begründen.

Hintergrund für den Titel sind drei Aspekte: Neben dem angeblichen Allgemein„wissen“ über „harte“ Drogen (Beispiel: Welt der Wunder) einerseits Erfahrungen in einem großen Konsumraum in Frankfurt und andererseits Schwierigkeiten damit, was Ziel und Ergebnis der Ausbildung von Sozialpädagog_innen ist.

Standardkommentar im Druckraum: „Sinnlos!“
Konnte sich gleichermaßen auf
- Tätigkeiten der Konsument_innen
- Tätigkeiten der Mitarbeiter_innen/Sozialarbeiter_innen
- die Repressionsorgane und
- die Organisationsebene
beziehen.
Hintergrund sind gleichermaßen
- die Abweichung von gesellschaftlich allgemein als sinnvoll erachteten Tätigkeiten/Situationen
- die als unveränderbar und sich durch alle Handlungen bestätigende grenzwertige Situation in der Szene.
Die Arbeit im Konsumraum bestätigt sowohl die Situation der Konsument_innen wie auch deren gesellschaftliche Stigmatisierung/Ausgrenzung.

Hat Soziale Arbeit grundsätzlich die Möglichkeit, diese Situation zu ändern?

Sinnlosigkeit in der Ausbildung?
Allgemeiner Konsens von Lehrenden und Lernenden der Sozialen Arbeit scheint zu sein:
Wenn die Ausbildung endet und die Berufsanfänger_innen in der Praxis landen erleiden sie den „PRAXISSCHOCK“.
Der „Praxisschock“ beruht wohl NICHT auf der Tatsache, dass
- man regelmäßig 40 Stunden arbeiten muss.
- man mit alt gewordenen (und manchmal einfach ausgebrannten) Kolleg_innen klar kommen muss.
- Dienstvorgesetzte und Chefs einem Anweisungen geben können, die trotz wahrgenommener oder vermuteter Unsinnigkeit nicht übergangen werden können.
Angeblich beruht er dagegen darauf, dass die Berufsanfänger_innen aus den „kuscheligen“ Verhältnissen in den Ausbildungsstätten (Unis, FHs, HSn) plötzlich mit der ganzen Härte der sozialen Verhältnisse konfrontiert sind und dann die geringe Reichweite sozialarbeiterischen Handelns erkennen können. Harmlos sind die Verhältnisse in den Hochschulen allerdings höchstens für diejenigen, die sich auf einer „ordentlichen“ Professur ausruhen können. Tatsächlich besteht Leben, egal ob als StudierendeR oder Praktiker_in, als Klient_in oder Banker, immer aus der Teilhabe an diesen gesellschaftlichen Verhältnissen. Allerdings handelt es sich bei der „Aufstiegsausbildung“ im Bereich Sozialer Arbeit um eine relativ privilegierte Position innerhalb dieser gesellschaftlichen Verhältnisse. „Aufstiegsausbildung“ meint in diesem Zusammenhang, dass es sich bei einem Großteil der Studierenden um Menschen handelt, die familienbiographisch die ersten sind, die einen akademischen Abschluss anstreben. Die aufstrebenden Eltern haben es (durchschnittlich) ohne akademische Ausbildung geschafft, sich in Zeiten relativen Wohlstands etwas nach (halb-)oben zu arbeiten und können ihrem Nachwuchs eine „bessere“ Ausbildung bieten. Diese Einschätzung der geringen Handlungsspielräume Sozialer Arbeit spiegelt m.E. eher die negative Einstellung von Akademiker_innen wider, die selber nur wenig oder sehr vermittelte Erfahrungen in konkreten Arbeitsfeldern haben. Dass sie in der konkreten Arbeit häufig noch viel kleiner erscheinen, aber vielleicht aus anderen Gründen, wird in der Veranstaltung Thema sein.